Podiumsdiskussion vom 7. Juni 2018:

„Brauchen wir die Energiewende für unseren Wohlstand?“




Im Rahmen unseres Jubiläums fand am 7. Juni um 19.00 Uhr unter dem Titel 
„Brauchen wir die Energiewende für unseren Wohlstand?“ eine Podiumsdiskus
sion in der Kleinkunstbühne Rantastic, Baden-Baden statt. Zu dieser Veranstaltung waren alle herzlich eingeladen. 

 

Grußworte sprachen Herr Wolfgang Grenke, Präsident der IHK Karlsruhe, Hr. Dr. Roman Glaser, Präsident des Genossenschaftsverbands BW und Dr. Michael Borchard, MEG Aufsichtsratvorsitzender.
 

Auf dem Podium diskutierten:

  • Dr. Karl-Heinz Sternemann, Initiator der Greenlight-
Initative in Marokko
  • Dr. Franz Alt, Journalist und Autor
  • Dr. Roman Glaser, Präsident des Genossenschaftsverbands BW
  • Helmut Oehler, Stadtwerke Baden-Baden
  • Dr. Bernd Koch, Leiter Dezentrale Energiesysteme, Siemens Deutschland

Moderation:

  • Evelin König

Chill-Out:

Anschließend Chill-Out mit DJ Nils Kleinlaut, bekannt vom Timmendorf Strandsalon





Liebe Mitglieder und Freunde der Mittelbadischen Energiegenossenschaft eG (MEG),

 

für diejenigen von Ihnen, die keine Gelegenheit hatten, an unserer Jubiläumsveranstaltung teilzunehmen, hat unser MEG-Mitglied Stefan Kriegel eine Zusammenfassung der Podiumsdiskussion erstellt. Schauen Sie einfach mal rein, dann haben Sie einen kleinen Überblick über die einzelnen Beiträge, die deutlich machen, dass an der Energiewende kein Weg mehr vorbeiführt. Die jetzige Hitzeperiode gibt uns ja allen einen Vorgeschmack davon, wie die künftigen Sommer aussehen könnten, wenn wir und die Politik nicht handeln. 

Jörg Zwosta
MEG Vorstand

 

Bericht über die Podiumsdiskussion anlässlich des 10. Geburtstages der MEG

 

Bei der Podiumsdiskussion gab es trotz der sehr unterschiedlichen beruflichen Prägungen der Teilnehmer eine erstaunliche Einmütigkeit über die Notwendigkeit der Energiewende.

 

Dr. Ing Sternemann ist mit Hilfe von Studenten, Freiwilligen, Sponsoren und vor allem einheimischen Partnern wie Hochschulen und einer Forschungseinrichtung in Marokko dabei, in einzelnen Institutionen und Orten Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. So bauen zum Beispiel Straßenkinder LED-Laternen. Sie sollen dabei ausdrücklich ihr heimisches Design und ihre Kreativität zum Ausdruck bringen. Und diese Lampen können etwa das Lernen ermöglichen, denn in Marokko ist Kerzenlicht durchaus noch das Mittel der Wahl. Die Installation, Wartung und Reparatur sowie der PC-gestützte Betrieb von Solaranlagen wird vermittelt. Das Ziel ist der Aufbau eines regenerativen Energienetzes sowie einer stromsparenden Infrastruktur.

 

Dr. Sternemann führte dazu aus, dass eine Großfamilie in Marokko durchschnittlich 215 € pro Monat zur Verfügung habe. So sei der Strom, der mehr als 3,00 € pro kW koste, praktisch unbezahlbar. Energie sei aber die Voraussetzung für Bildung und Wohlstand. Außerdem verhindere eine stabile Energieversorgung Landflucht und Fluchtursachen allgemein. So würde auch ein abgelegenes Dorf im Atlasgebirge, in dem die Temperaturschwankungen zwischen 50 Grad + und -25 Grad liegen, durch diese Initiative mit regenerativer Energie versorgt.

 

Insgesamt bemängelte er zu viel Entwicklungshilfe mit fertigen Produkten, die vor Ort nicht gewartet und repariert werden könnten und deshalb sehr schnell zu Elektroschrott würden. Vielmehr sollte doch das deutsche duale Bildungssystem exportiert werden und das Expertentum so vor Ort entstehen. In Marokko strebe er mehr Kooperation der Menschen an und installiere deswegen kleine computergestützte Netzwerke.

 

Dr. Roman Glaser, der Vorsitzende des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes und ehemaliger Volksbank-Vorstand, unterstützte den Gedanken des kooperativen Wirtschaftens. Dieser greife auch politisch immer mehr um sich. So sei die Förderung der Genossenschaften im neuen Koalitionsvertrag verankert. Gleichzeitig kritisierte er die ständigen Änderungen an der Einspeisevergütung als politisches Hemmnis für die Energiegenossenschaften. Damit werde die Energiewende letztlich ausgebremst. Genossenschaften hätten sich im 19. Jahrhundert aus der Notwendigkeit entwickelt, dass weniger Wohlhabende an Kredite kommen konnten. Deshalb sei die Selbsthilfe entstanden, deren Grundsatz lautet, „was ein einzelner nicht erreichen kann, das er­reichen viele“. Der als Begründer der Genossenschaftsidee gefeierte Raiffeisen habe im 19. Jahrhundert diesen Ansatz zu einem genialen Konzept ausgefeilt, das bis heute erfolgreich praktiziert wird. Glaser betonte auch die Bandbreite der Genossenschaften, die vom Dorfladen bis zu Intersport als einer der größten Genossenschaften im Land reicht.

 

Stadtwerke Chef Oehler benannte den Klimawandel als eines der bedrängendsten Probleme der Zukunft. Er zählte die nachhaltigen Anstrengungen der Stadtwerke auf und betonte, dass sie alles täten, um die erneuerbaren Energien und die Elektromobilität voranzubringen. Er ließ jedoch ebenso durchblicken, dass die Stadtwerke als öffentliches Unternehmen den politischen Vorgaben folgen müssten. So befänden sich die Stadtwerke mit dem Scheitern der Kampagne „Baden-Baden setzt auf 37 %“ (die Stadt Baden-Baden wollte 37% des CO2-Ausstosses bis zum Jahr 2020 einsparen) in bester Gesellschaft von Bund und Land, die ebenfalls nicht weiterkommen. Die weltbesten Gaskraftwerke liefen in Deutschland 50 bis 100 Stunden pro Jahr und die Braunkohlekraftwerke als die größten Dreckschleudern dagegen 7000 Stunden. Den geringen Preis für die CO2-Emmissionen, die unser Klima belasten, betrachte er als Hohn. Denn die wahren Kosten seien viel höher.

 

Dr. Bernd Koch, für dezentrale Energieanlagen bis 100 Megawatt bei der Firma Siemens verantwortlich, betonte, dass sein Arbeitgeber schon zu Zeiten boomender Atomenergie den Weg in Richtung Windkraft gegangen sei. Lange, bevor diese rentabel geworden sei.

Er konnte die gute Nachricht verbreiten, dass die geplante Schließung des Dampfturbinen-Standortes Görlitz verhindert werden konnte. Es werde zwar Personalabbau, aber auch den Ausbau zum zentralen Standort für die Dampfturbinen-Technik geben. Koch vertrat die Position, dass Großtechnik und dezentrale Versorgung zusammen notwendig seien für die Energie der Zukunft.

 

Dr. Franz Alt, der als früherer Report-Moderator und Kämpfer für die Energiewende nicht besonders vorgestellt werden muss, erkämpfte sich den Löwenanteil an Redezeit und Beifall. Er erinnerte an die Aussagen der großen Energiekonzerne EnBW, RWE, EON und Vattenfall von vor 20 Jahren, dass der Anteil der Erneuerbaren am Ende dieses Jahrhunderts physikalisch bedingt nicht höher als 4 % sein könne. Nun sei dieser im ersten Fünftel des 21. Jahrhunderts bei 42% und das sei ausschließlich eine Initiative von unten, sprich ganz besonders auch von den Genossenschaften.

Und das deutsche Stromnetz sei nach wie vor das sicherste der Welt, man exportiere so viel Strom wie noch nie. Der Solarstrom sei inzwischen auch ohne Unterstützung preiswert, von 50 Cent vor 20 Jahren zu 4 Cent aktuell. Marokko plane ein Solarkraftwerk für 240 000 Menschen, Ägypten ein 10-fach größeres, Saudi Arabien noch einmal ein 70 Mal Größeres als das in Ägypten. Der saudische Strompreis betrage dann nur noch ein Cent pro Kilowattstunde, und das sei noch nicht das Ende der Degression.

 

Im Stromsektor sieht Dr. Alt Deutschland auch als Vorbild für die Welt - wegen der Wende von „unten“, also der Bürger und der Genossenschaften, die die Energiewende in erster Linie tragen. Auf anderen Feldern, etwa der Mobilität, sei das leider noch nicht so. Er bringt das Beispiel der Bruchsaler Stadtverwaltung, die die großen Automobil-Produzenten BMW, VW und Mercedes nicht zur Lieferung von 48 Elektroautos bewegen konnte. Sie konnten einfach nicht liefern. Stattdessen standen 48 französische Elektroautos da. Die deutsche Automobilindustrie hinke da hinter her. Franz Alt sieht die nachhaltige Energie für alle als Voraussetzung für Wohlstand und Gerechtigkeit in der Welt.

 

Dr. Sternemann sieht die regenerativen, großtechnischen Projekte sehr kritisch, weil er die alten Strukturen dahinter sieht, sprich den Export der Großtechnologie. Franz Alt entgegnete, dass es in Deutschland gut dezentral gehe, Mega-Städte wie Kairo oder Tunis aber auf jeden Fall auch Groß­technologie bräuchten. Dr. Glaser und Herr Oehler berichteten vom Umdenken in der Politik und der Großindustrie, die die erneuerbaren Energien jetzt wohl mehr im Blick hätten. Dem widersprach Franz Alt heftig, der von Mythen sprach, die auch heute noch von den "RWE‘s und EnBW‘s" dieser Welt verbreitet würden und die Politik beeinflussen. Sie alle hätten ein starkes Interesse, die alten, unrentablen Technologien noch über die Zeit zu retten. Das Gesetz zum Vorrang der erneuerbaren Energien (EEG) sei zu Beginn vor 18 Jahren 10 Seiten stark und jedermann verständlich gewesen. Heute seien es 110 Seiten und niemand traue sich mehr, ohne Rechtsanwalt eine Solaranlage zu installieren, geschweige denn ein Windrad. Denn die Großen wehrten sich weiter, weil die 42% erneuerbare Energie im Stromsektor inzwischen existenzge­fährdend für sie geworden seien.

 

Soweit die Podiumsdiskussion. Und wie geht es im Alltag mit unserer MEG weiter? Sie wächst. Sie wird das BENTONET (siehe unsere Homepage) ausbauen, weitere Anlagen von Kunden einbinden, und sie so optimieren, indem sie den Betrieb überwacht, den Wartungsdienst über den Einsatz informiert, in die sog. Regelenergie einfügt und den Eigentümern den jeweiligen Betriebsstand anzeigt. Die MEG möchte diese Infrastruktur und das dazugehörige Know-how exportieren. Es gibt bereits zwei Regionen, die sich für ein solches virtuelle Kraftwerk lebhaft interessieren. Diesen Weg gehen wir weiter. Neue Interessenten sind im Gespräch mit uns.

 

Aber – auch das muss immer wieder gesagt werden - die MEG ist satzungsgemäß verpflichtet, den auf ihren Anlagen produzierten Strom an ihre Mitglieder zu liefern. Um den Erfolg der MEG weiter zu beschleunigen, wäre es sehr wichtig, wenn noch mehr als das aktuelle Drittel unserer 270 MEG-Mitglieder den mit ihren eigenen Anlagen produzierten Strom von der MEG beziehen und damit zu unseren Stromkunden würden. Es gibt nichts Einfacheres als diesen Stromwechsel zu einem Strom, der nachhaltig erzeugt und preiswerter ist als vergleichbarer Strom der Großproduzenten. Unser Partner, die Energie Südwest (Stadtwerke Landau), wickelt einen solchen Stromwechsel ohne Probleme ab. Einfach einmal versuchen - erstaunlich, wie leicht das geht.

 

Jetzt wünschen das MEG-Team und Stefan Kriegel allen Mitgliedern angenehme Sonnentage und einen erholsamen Urlaub!

 

 


Mit freundlicher Unterstützung unserer Partner:




Wir freuen uns über zahlreiche Presseberichte


Presse: Badisches Tagblatt, 6. Juni 2018
Presse: Badisches Tagblatt, 6. Juni 2018

Presse: Acher- und Bühler Bote, 6. Juni 2018
Presse: Acher- und Bühler Bote, 6. Juni 2018

Energiegenossenschaften – Erfolgsbeispiele aus Baden-Württemberg, bwgv März 2018
Energiegenossenschaften – Erfolgsbeispiele aus Baden-Württemberg, bwgv März 2018

Energie. Bewusst. Badisch.

Das ist unser Motto. Wir investieren sauber, denken ökologisch, handeln regional.

Wir gestalten die Energiewende. Und das seit 2008.




Die Prinzipien einer Genossenschaft:

Selbsthilfe – Selbstverwaltung – Selbstverantwortung


Frei nach dem Credo des Genossenschaftsurvaters Friedrich Wilhelm Raiffeisen „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, schaffen viele“, dienen Genossenschaften ihren Mitgliedern dazu, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.

 

Jeder Genossenschaft liegt eine demokratische Unternehmensverfassung zugrunde. Das heißt, jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe seiner finanziellen Beteiligung. Genossenschaften sind autonom und verwalten sich selbst. In einer Genossenschaft gelten flache Hierarchien, Mitbestimmung und finanzielle Sicherheit für die Mitglieder.

 

MEG Vorstand und Aufsichtsrat
MEG Vorstand und Aufsichtsrat

 

Mit der Vision, die Energiewende aktiv mitzugestalten, wurde die MEG 2008 von engagierten Bürgern gegründet. Im Laufe dieser Zeit gab es auf dem Energiemarkt eine Vielzahl von Entwicklungen und Neuregelungen. Durchhalten und vorhandene Strukturen neu überdenken gehört dabei nach wie vor zu unserem Tagesgeschäft.

 

Nach intensiver Planung und der Chance, den Markt zu revolutionieren sowie die Genossenschaft weiter voranzubringen, brachten wir 2015 das Virtuelle Kraftwerk auf den Weg – bundesweit übrigens das erste, das auf genossenschaftlicher Basis errichtet wurde. Mit ihm kann erneuerbare Energie, die an verschiedenen Orten erzeugt wird, effizient gesteuert und verteilt werden. So können wir weitere Stromkunden mit 100% ökologisch gewonnener Energie versorgen. Inzwischen gibt es einige interessierte Kraftwerksbetreiber, die sich an unserem Virtuellen Kraftwerk einklinken möchten, denn wir bieten Sicherheit, Vertrauen und Know-how – sowohl für Betreiber als auch für Menschen, die in eine nachhaltige Energieversorgung investieren möchten. Die Genossenschaft ist dabei das ideale Instrument für die Finanzierung, Umsetzung und den wirtschaftlichen Betrieb von Infrastrukturen.

 

 

Für den Ausbau unseres Virtuellen Kraftwerks ist weiteres Kapital notwendig. Sie möchten in eine saubere Zukunft investieren und gleichzeitig eine attraktive Verzinsung bekommen? Das geht mit MEG-Crowd-Invest: Sie geben uns Geld in Form eines Nachrangdarlehens – und wir garantieren Ihnen eine Verzinsung in Höhe von 1,5 Prozent. Und das fünf Jahre lang. 

 

Wir haben alle Formulare für Sie als Download bereit gestellt, Sie können sofort handeln oder gleich Online den Antrag ausfüllen »

 

 

Noch Fragen? Wir Informieren Sie gerne: 

>> KONTAKT 

 

Tel: 07221 97102-75 

energie(at)meg-mittelbaden.de

 


Was ist die MEG und was sind zukünftige Projekte?



Vorstand/Geschäftsführung der MEG


Jörg Zwosta

Position: Gründungsmitglied und Vorstand

Aufgabenbereich: Recht und Verwaltung

Beruf: Jurist, Fachgebiet Verwaltungsrecht

Werdegang: 29 Jahre Erster Bürgermeister, davon zuletzt 24 Jahre in der Kur– und Bäderstadt Baden-Baden.

“Ruhestand nach dem Ausscheiden aus dem Amt ist nicht meine Sache, ich möchte etwas bewegen...”.

 

 


Manuel Gernsbeck

Position: Gründungsmitglied und Vorstand

Aufgabenbereich: Technik und Strategie

Beruf: Energieelektroniker “Anlagentechnik”

Werdegang: Umfangreiche Erfahrungen im Bereich der erneuerbaren Energien.

Gründer der enerpa GmbH, 6 Jahre Geschäftsführer.

Leiter der Entwicklung für Kraft-Wärme-Kopplung bei der Firma Schleif Automation.

Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Badische-Kraftwerk GmbH & Co. KG

Aufsichtsrat der MEG


Herr Dr. Michael Borchard (Aufsichtsratvorsitzender)

Herr Axel Weyers (Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender)

Herr Dipl. Ing. Volker Scheck

Herr Dipl. Ing. Dr. von Wedemeyer

Herr Dr. Olaf Feldmann

Herr Dr. Thomas Waßmuth

Hr. Lars Ziegenbein

 

 

 


Mitgliedschaft